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Gottesdienst zum 2. Sonntag nach Epiphanias am 17.1.2022

Wir feiern heute Gottesdienst

im Namen Gottes, Quelle des Lebens und der Liebe,
im Namen von Jesus Christus,

der Menschen neue Wege eröffnet zu Gott und zur Gemeinschaft und zu sich selbst,
im Namen des Heiligen Geistes,

Lebensatem, der uns durchströmt.

Amen

 

Der Wochenspruch für den heutigen Sonntag lautet:

„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade" (Johannes 1, 16)

Wir feiern heute den 2. Sonntag nach Epiphanias. Er steht unter dem Leitbild: Gottes Herrlichkeit entdecken. Was hat es auf sich mit der Weisheit Gottes? Können wir sie verstehen? Ist unser menschlicher Geist dazu überhaupt imstande. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“, heißt es in der Bibel. Wir können nur versuchen im Nacheifern von Jesus Christus Gottes unergründlicher Weisheit näher zu kommen.

 

Wir beten gemeinsam den Psalm 105.

Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen aus! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt!

Singt ihm und spielt ihm, sinnt nach über all seine Wunder!

Rühmt euch seines heiligen Namens! Die den HERRN suchen, sollen sich von Herzen freuen.

Fragt nach dem HERRN und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!

Gedenkt der Wunder, die er getan hat, seiner Zeichen und der Beschlüsse seines Munds!

Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.

Er, der HERR, ist unser Gott. Auf der ganzen Erde gelten seine Entscheide.

 

Kommt lasst uns anbeten:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

Und dem Heiligen Geist

Wie es war im Anfang

jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen  

 

Sündenbekenntnis:

Ewiger, heiliger, geheimnisreicher Gott.

Wir kommen zu dir.

Wir möchten dich hören, dir antworten.

Dir in die Hände legen wir Sorge, Zweifel und Angst.

Nimm uns auf.

Sei bei uns, damit wir bei dir sind, Tag um Tag.

Führe uns, damit wir dich finden

und deine Barmherzigkeit.  (nach Jörg Zink)

 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich!

Christe, erbarme dich! Herr erbarm dich über uns.

 

Gnadenzuspruch:

So spricht Gott:

Fürchte Dich nicht, ich bin mit dir;

Weiche nicht, denn ich bin dein Gott.

Ich stärke dich, ich helfe dir auch,

ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit (Jes. 41,10)

 

Lobsingt Gott, erhebt seinen Namen:

Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen!

Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an  uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

 

Lasst uns beten:

Himmlischer Vater,
du bist nicht kleinlich.
Du erbarmst dich über die ganze Welt
und gießt deine Liebe aus im Überfluss.

Wir bitten dich:
erfülle unsere Herzen mit deiner Liebe,
damit durch uns deine Liebe bekannt werde,
durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Amen  

 

Die Lesung steht im 2. Buch Mose, Kap. 33, Verse  18-23

Der HERR erwiderte Mose: Auch das, was du jetzt verlangt hast, will ich tun; denn du hast Gnade in meinen Augen gefunden und ich kenne dich mit Namen. Dann sagte Mose: Lass mich doch deine Herrlichkeit schauen! Da sagte der Herr: Ich will meine ganze Güte vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des HERRN vor dir ausrufen. Ich bin gnädig, wem ich gnädig bin, und ich bin barmherzig, wem ich barmherzig bin. Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht schauen; denn kein Mensch kann mich schauen und am Leben bleiben.  Und weiter sprach der HERR: Siehe, da ist ein Ort bei mir, stell dich da auf den Felsen! Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin. Dann ziehe ich meine Hand zurück und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht kann niemand schauen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Amen.

 

Nachdem wir Worte von Mose gelesen haben, bekennen wir unseren Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde;

und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen


Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Lebendigen und Jesus Christus seinem Sohn.

Liebe Gemeinde,

wenn man sie fragte, was für sie das Wichtigste am christlichen Glauben ist, was würden Sie antworten?

Es ist heute ja gar nicht so unwahrscheinlich, dass man gefragt wird: Was glaubst Du als Christ eigentlich?

Der Nachbar, dessen Familie schon seit zwei oder drei Generationen nicht mehr zu einer Kirche gehört, könnte so fragen. Oder der muslimische Arbeitskollege. Oder ein Atheist aus dem Freundeskreis. Oder ein religiös Unentschlossener in der Familie.

Die Menschen in unserem Lebensumfeld werden immer unterschiedlicher. Das ist nicht nur in den großen Städten so. Auch an vielen Orten auf dem Land lebt man meist nicht mehr in einer religiös homogenen Umgebung.

Also: wo anfangen; was ist das Wichtigste?

Die Antwort des Paulus im Korintherbrief ist: Jesus Christus, der Gekreuzigte, ist das Wichtigste, die Hauptsache des christlichen Glaubens. „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten“, schreibt er nach Korinth. Das ist eine knappe, eindeutige Antwort.

Er stellt den gekreuzigten Jesus Christus ins Zentrum des Glaubens. Nicht die Krippe, nicht die Auferstehung, nicht die Schöpfung, nicht die 10 Gebote. Nein: den leidenden, gekreuzigten Christus stellt er in die Mitte. Er - Christus, so schreibt Paulus, war und ist die Mitte seiner Predigt und seiner Worte. Einfacher konnte und wollte er es sich nicht machen. Für manche in Korinth war der gekreuzigte Jesus Christus eine Dummheit, für andere ärgerlich. Griechen und Juden konnten da nur den Kopf schütteln über diesen leidenden Gott am Holz der Schande, dem Kreuz.

Werfen wir einen Blick in die christliche Gemeinde von Korinth, an die der Brief gerichtet ist. Paulus gründet sie ungefähr im Jahr 50 und dient in ihr für 1 ½ Jahre. Dann reist er weiter. Den 2. Korintherbrief schreibt er etwa 5 Jahre später aus Ephesus. Die Gemeinde hatte sich kräftig entwickelt. Korinth war eine Großstadt mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion. Viele Menschen waren zur Gemeinde gekommen und hatten sich taufen lassen. Aber es gab immer mehr Spannungen in der Gemeinde.

Die Gründe für die Spannung waren zum Teil solche, wie wir sie auch heute aus unseren Großstädten kennen. Da gibt es soziale Spannungen. Da gibt es Reiche, eine Mittelschicht und Arme in der Gemeinde. In Korinth droht der Zusammenhalt der verschiedenen sozialen Schichten unter den Christen verloren zu gehen.

Dann gab es auch damals in Korinth schon dies: manche gingen lieber zum Pfarrer a, weil er so anspruchsvolle, intellektuelle Predigten hielt. Andere gingen wegen der aktuellen, politischen Predigten lieber zur Pfarrerin b. Und die meditativ-musikalischen Gottesdienste in der xy-Kirche fanden ihr eigenes Publikum. Andere engagierten sich in der Diakonie, aber blieben den Gottesdiensten fern. Personen, Richtungen, Frömmigkeitsstile – eine Großstadtgemeinde differenziert sich aus. Damals wie heute. Aber eigentlich gehören sie als Christenmenschen zusammen.

Nur: was hält sie zusammen, die Gemeindeglieder, die Kirchengemeinden, die christlichen Konfessionen? Sind es besondere Persönlichkeiten – die Prediger und Pfarrerinnen und besondere Aktionen? Was ist wirklich echt, wo ist das Wichtigste; und was ist nur aufgesetzt oder nur oberflächlich?

Paulus hat den Eindruck, dass es inzwischen viel Äußerlichkeit, viel Aufgesetztes in der Gemeinde gibt.

Er erinnert die Korinther daran wie er selber aufgetreten ist, damals als er als Missionar die Gemeinde gründete. „Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Paulus hatte damals auf die Korinther nicht besonders intellektuell gewirkt, war nicht besonders eloquent gewesen. Er fühlte sich schwach in seiner Arbeit. Er hatte Angst, wenn er mit den Menschen sprach. Und seine Knie zitterten beim Predigen. Wenig beeindruckend hatte er als Missionar auf andere gewirkt. Aber Paulus war es damals gleichgültig und es ist ihm fünf Jahre später immer noch egal wie er auf andere wirkt. Nicht er, nicht seine Weisheit sollte im Vordergrund stehen, so schreibt er, sondern allein das Evangelium. Gewirkt hat das Evangelium bei euch, schreibt er. Nicht ich. Gewirkt hat die Kraft Gottes. Gewirkt hat durch die Schwäche des Paulus hindurch Jesus Christus, der Gekreuzigte.

Und davon will Paulus predigen, davon wie Gott wirkt. Er stellt dem Wirken Gottes das Wirken der Herrschenden gegenüber. Und er stellt der Weisheit der Welt die Weisheit Gottes entgegen. Und dies sind wirkliche Gegensätze.

Er stellt fest: Gottes Weisheit kümmert sich um Leidende, Schwache, Arme und Sterbende. Die Weisheit der Welt aber kann man an den Herrschenden ablesen: sie üben Gewalt aus, und sie sind doch selber vergänglich. Am gekreuzigten Jesus Christus dagegen kann man die Weisheit Gottes sehen. Schwach sieht sie aus und elend und leidend, die Weisheit Gottes.

Paulus hat das in seiner Missionsarbeit in Korinth erlebt. Gottes Kraft war in der Schwachheit, in der Paulus auftrat, stark und mächtig.

Wenn ein Schwacher sich aufrichten kann, ein Elender aufatmen kann, ein Leidender lächeln kann, dann sieht, hört und spürt man diese Weisheit Gottes in Jesus Christus, dem Gekreuzigten.

„Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.“ Das ist das Wichtigste am christlichen Glauben, schreibt Paulus.

Für ihn ist es der Gekreuzigte. Für andere ist das Wichtigste am christlichen Glauben die Krippe, die 10 Gebote, die Schöpfung oder die Auferstehung. Wie immer wir unsere Schwerpunkte im Glauben setzen, was immer uns als das Wichtigste erscheint alles wird Jesus Christus, den Gekreuzigten widerspiegeln.

 

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

lassen sie uns einmal eintauchen in das Gemeindeleben der Korinther, als der Brief des Paulus, der aus Ephesus schon einige Zeit unterwegs war, in Korinth im Hause des Justus eintraf.

Zu der Zeit hatte das Presbyterium (so ähnlich wie der Vorstand der Gemeinde) beschlossen, reihum die Gemeinde nach Hause einzuladen. Heute war Justus dran, bei dem Paulus üblicherweise wohnte, wenn er die Gemeinde besuchte. Inzwischen war einige Zeit vergangen, in der Gemeinde hatte sich einiges getan: Waren anfänglich alle von der Predigt des Paulus überzeugt gewesen, so waren doch mit der Zeit auch andere Meinungen laut geworden. Manchen war Paulus zu abstrakt und theoretisch, anderen zu streng und zu ernst, noch anderen war er gar zu weltlich. Aus diesen unterschiedlichen Meinungen waren richtige Gruppierungen geworden, und es war schon erstaunlich, daß sie sich trotzdem gemeinsam zu Gottesdienst und Abendmahl trafen.

Ein buntes und munteres Häufchen war im Innenhof des Hauses versammelt. Die Leute standen in kleinen Grüppchen zusammen, sprachen über dies und das und jenes, vor allem aber rätselten und vermuteten sie, was sie heute wohl zu hören bekämen. Der Briefanfang verhieß nicht viel Gutes, denn Paulus hatte nach ein paar Höflichkeitsfloskeln gleich benannt, worum es ihm ging: Der Streit in der Gemeinde mußte aufhören, die Christen sollten sich auf das besinnen, was sie miteinander verband. Dabei hatte er ihnen drastisch vor Augen gestellt, wer und was sie waren: Kleine Leute, ungebildet und bedeutungslos. Und doch von Gott erwählt, durch Christus erlöst, im heiligen Geist berufen.

Einer aus der Gemeinde mit einer poetischen Ader hatte nach der ersten Lesung gereimt:

Die eine rühmt sich ihrer Schönheit wohl, der andre seiner Stärke,
sind aber Herz und Köpfe hohl, fehlt Weisheit jedem Werke.
Manch einer prunkt mit Einfluß, Geld und Macht, ein andrer sammelt Titel,
und werden doch von Weisen nur verlacht: Sie nutzen falsche Mittel.

Der Reim machte die Runde, manche stadtbekannten Namen wurden gedacht oder auch genannt. Dabei entstand das gute Gefühl der Überlegenheit, die Gewißheit, die Eitelkeiten und Torheiten der Welt nicht nötig zu haben. Manche waren inzwischen so perfekt uneitel, daß sie schon wieder eitel wirkten.

Nun trat Justus in den Innenhof und bat sie, sich zu setzen. Tonkrüge mit frischem Wasser und Becher wurden verteilt. Justus begrüßte die Anwesenden und erinnerte sich und sie an die Zeit mit Paulus; an seine Predigten, an seinen Glauben, an den Menschen Paulus. Dann bat er um Aufmerksamkeit für die Lesung aus dem Brief des Paulus und um anschließende offene, ehrliche Diskussion. Er las: (1.Kor 2, 1 - 10)

Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

Er machte eine kurze Pause, dann sagte er: „Ja, das ist typisch Paulus. Stellt sich auf eine Stufe mit uns, will nicht mehr, nicht besser sein als wir. Gibt zu, daß er schwach ist, ängstlich, schüchtern. Daß er kein mitreißender Redner ist, der die Massen begeistert, und kein Philosoph, der auf alle Fragen eine Antwort hat. So stellt sich der Mann dar, der seit Jahren durch die Welt reist und missioniert und Gemeinden gründet; der sich deswegen beschimpfen, sogar verhaften und auspeitschen läßt. Trotzdem macht er weiter mit seiner Mission, predigt den gekreuzigten Christus als Gottes Herrlichkeit.

Das ist, scheint mir, für manche schwer zu begreifen, dieser vermeintliche Widerspruch zwischen Kreuzigung und Allmacht. Doch aus vielen Gesprächen mit Paulus weiß ich: Kreuzigung und Allmacht gehören zusammen. Gerade in den Schwächen und in den Schwachen zeigt sich Gottes Kraft. Das ist doch, was Paulus uns vorlebt und was wir von ihm lernen können: Daß Gott nicht so ist wie die Großen und Starken der Welt. Die leben alle auf Kosten von Schwachen: die Eingebildeten, die sich selbst für klug halten, verkaufen andere für dumm; die Emporkömmlinge, die sich selbst für erfolgreich halten, booten andere trickreich aus; die Despoten, die sich selbst für die Herren der Welt halten, halten sich nur durch Unterdrückung. Solche Art der Herrlichkeit ist nicht Gottes Herrlichkeit. Daß Gott der Herr ist, das zeigt sich darin, daß Blinde sehen und Lahme gehen, daß Aussätzige rein werden und den Armen die gute Nachricht von Gottes Liebe überbracht wird."

„Davon werde ich aber nicht satt!" rief jemand von hinten dazwischen, und alle drehten sich zu ihm um. Der Mann sah aus wie die Armut in Person; er war den anderen einfach gefolgt. „Wir essen nachher zusammen“, rief Justus zurück, „du bist eingeladen. Oder geh jetzt in die Küche, dort bekommst du was. Aber du brauchst noch mehr als Essen und Trinken, Kleider und Schuh. Du brauchst Arbeit, um dein Brot selbst zu verdienen. Vor allem aber mußt du lernen, daß du ein wertvoller Mensch bist. Weil Gott dich liebt - so, wie du bist und was du auch getan hast. Deshalb bist du bei uns willkommen, wir werden dir helfen.“ Der Mann schlurfte in Richtung Küche. Ängstlich blickte er sich immer wieder um, konnte nicht recht glauben, was ihm da passierte. Denn statt ihn aufzuhalten, zu beschimpfen oder wegzujagen, wie er es gewohnt war, nickte man ihm aufmunternd zu.

„Den hat uns der Himmel geschickt,“ dachte Justus, bevor er den unterbrochenen Faden wieder aufnahm und fortfuhr: „Liebe Geschwister, sind nicht die Menschen oft blind für die Not anderer, sind nicht ihre Arme oft wie gelähmt, wenn sie sich die Hand zur Versöhnung geben sollten? Behandeln nicht die Herren der Welt die Armen und Elenden, als wären sie aussätzig; ja, diese Herren bringen es sogar fertig, andere Menschen Gefahren und gewaltsamem Tod auszusetzen. Und sind nicht viele Ohren taub, viele Münder stumm für gute, freundliche Worte, für Lob und Anerkennung, taub und stumm für Vergebung und Versöhnung, für Dank und Bitte, für Lieder der Liebe? Alles Fragen, auf die ihr die Antwort kennt: Ja. so ist die Weisheit der Welt, so sind ihre Herren. Unser Herr aber und seine Weisheit sind anders. Sie stellen die Werte auf den Kopf, machen groß, was erniedrigt ist und erniedrigen, was groß ist; geben von dem, der zwei Mäntel hat, einen dem, der keinen hat. Denn vor Gott und nach seiner Weisheit sind alle Menschen gleich, allen gilt seine Liebe gleichermaßen. Und genau deshalb sollen die Herren der Welt aus ihrer Herrschaft und die von ihnen Geknechteten aus ihrer Knechtschaft befreit werden. Dann wird Gott allein der Herr sein, und kein großer, noch so erhabener und kein noch so kleiner, lächerlicher weltlicher Herrscher, ja, kein Mensch wird dann noch über andere Menschen herrschen.“

„Das klingt ja nach Revolution!“ warf jemand ein, „das wird mir zu gefährlich. Wir sollten uns lieber mit den weltlichen Herren gutstellen. Sonst landen wir auch noch am Kreuz oder vor den Löwen. Und dann, Justus?“ Einige klatschen dem Zwischenrufer Beifall. Andere mahnten zur Ruhe. Manche schlichen sich davon. „Und dann, Justus?“ wiederholte der Zwischenrufer, bevor Justus antwortete: „Das kann passieren. Christsein erfordert Mut, mit dem schon zu beginnen, was werden soll. Und das paßt vielen nicht, weil es sie und ihr Getue in Frage stellt. Aber wir ahnen und spüren darin das Geheimnis Gottes, erfahren durch seinen Geist, was größer ist als alle unsere Vernunft: Den gekreuzigten Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“

In diesem Augenblick kam der Bettler wieder aus der Küche, satt, frisch gewaschen und in sauberen Kleidern. Nicht mehr ängstlich blickte er um sich, sondern zufrieden und sicher. „Hätt' ich nicht gedacht,“ rief er, „ihr redet nicht nur, ihr handelt auch danach. Ich glaube, hier bleib' ich.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Wir wollen Fürbitte halten

Gott, du schenkst uns Zeit der Gemeinschaft mit dir. Dafür danken wir dir und bitten dich:
Hilf uns, dass wir diese Zeit in angemessener Weise nutzen. Lass uns bewusst werden, wie sehr du uns liebst, und mache uns bereit, dies sichtbar werden zu lassen für die Menschen, denen wir begegnen.
Wir bitten dich für alle die, die keine Zeit haben: lass sie innehalten und erkennen, dass du unsere Zeit in Händen hältst.
Wir bitten dich für alle die, die ihre Zeit gekommen sehen: lass sie spüren, dass du ihnen nahe bist, dass du sie hältst und trägst.
Wir bitten dich für alle, die noch viel Zeit vor sich haben: lehre sie, ihre Zeit in sinnvoller Weise zu nutzen, und schenke ihnen Begegnungen mit dir.
Wir bitten dich für alle, die nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen: leite sie auf deinen Weg.
So führe du auch uns und lass uns deine Gnade spüren, du, dem allein Ruhm und Ehre gebührt in Ewigkeit.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns heute besonders bewegt.

……

Gott des Lebens, mit Dir und untereinander verbunden beten wir:

 

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen,

denn dein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

 

 

Abkündigungen

23.01.2022, 11:00 Uhr

kath. Kirche Gustavsburg

Mainspitzweiter ökumenischer Gottesdienst zur Einheit der Christen

mit Pfr. Markus Bahnsen und Pfr. Karl Zirmer

16.01.2022, 18:00 Uhr

Ev. Kirche Ginsheim

 

Adagio – Musik zur Abendruhe

Ein Quintett des Ev. Posaunenchores spielt 20 min. Bläsermusik mit Sätzen von Telemann, Haydn, Bach und Beethoven zum Ausklang des Tages. Diese Veranstaltung findet unter der 2G+-Regel statt. Bitte melden Sie sich dazu an.

 

Die Kollekte an diesem Sonntag ist für DEN ARBEITSLOSENFONDS DER EKHN bestimmt.

Die letzten zwei Jahre waren geprägt von der Pandemie. Ganz besonders waren benachteiligte Menschen davon betroffen. Der Arbeitslosenfonds ist ein wertvolles Instrument, das mit einer angemessenen sozialversicherungspflichtigen Vergütung nach den kirchlich/diakonischen Tarifen Menschen in Arbeit bringt. Auch wenn die Förderung nur für die Ausbildungszeit bzw. für zwei Jahre übernommen werden kann, ist diese Anstellung von großer Bedeutung, um Berufserfahrung zu sammeln und so wieder Fuß zu fassen in der Arbeitswelt.  Mit ihrer Spende machen Sie das möglich.

Vielen Dank für ihre Gabe.

 

Abschlusssegen        Der Herr segne und behüte Dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.   Amen

Prädikantin Gisela Kögler

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